Pilgern für alleUnterwegs ohne Barrieren auf dem Jakobspilgerweg

Ein Stück auf dem Jakobspilgerweg von Frankenthal nach Bobenheim-Roxheim war eine Gruppe von Menschen mit und ohne Handicap unterwegs. 

Auf Einladung der Seelsorge für Menschen mit Behinderung und dem DJK Sportverband pilgerte eine Gruppe von Frauen und Männern von Frankenthal nach Bobenheim Roxheim

Frankenthal. Bei herrlichem Spätsommerwetter machte sich eine kleine, aber fröhliche und bunt gemischte Pilgergruppe auf den Weg von Frankenthal über Mörsch nach Bobenheim-Roxheim. Start war morgens in der Zwölf-Apostel-Kirche in Frankenthal.

Los ging es mit einem Impuls über die 12 Apostel, die das Evangelium zu den Menschen brachten. Selbstverständlich mussten sie dazu auch unterwegs sein, um zu den Menschen zu kommen. Und so nahm die Pilgergruppe mit den Gedanken bei den Aposteln den ersten Wegabschnitt in Angriff.

Bald hatte die Gruppe ein Gefühl, welches Tempo die anderen jeweils als angenehm empfanden. Schnell war auch klar, die Rolli-Fahrerinnen und -Fahrer konnten viel schneller als alle anderen, wenn sie wollten. Sie passten sich an die Schrittgeschwindigkeit an. Über den Tag hatte jede und jeder die Möglichkeit von den anderen zu erfahren, was sie im Leben machten, wo sie herkamen und wieso sie dabei waren.

Zwischenhalt war in Mörsch auf dem alten Friedhof. Nach einer kleinen Verpflegungspause gab es einen zweiten Impuls, der den Blick auch auf die dunkleren Seiten auf den Lebenswegen lenkte. Ein kurzer Wegabschnitt wurde im Schweigen zurückgelegt. Am Ortsausgang war das Turmkreuz der 1924 abgebrochenen St. Stephanskirche aufgestellt. Dort legten die Pilger symbolisch mit einem kleinen Stein die schweren Gedanken ab. Mit weniger innerer Last wurde der letzten Wegabschnitt angegangen.

Dieser führte nach Bobenheim-Roxheim an den Silbersee und endete mit einer Umrundung des Roxheimer Altrheins. An einem malerischen Platz am Wasser gab es noch einmal ein paar Gedankenimpulse. Es wurde deutlich: Nur mit viel Mut und Solidarität kann die Gruppe das Vertrauen und Zutrauen zum Leben und zu Gott behalten. Gerade angesichts der schrecklichen Ereignisse wie der Hochwasserkatastrophe im Ahrtal.

Als die Pilgerinnen und Pilger schließlich an der Roxheimer Grillhütte eintrafen, hatten Helfer aus der Pfarrei bereits den Grill angefeuert. Teils erschöpft, aber rundum zufrieden über den absolvierten Weg, wurde ein Fazit gezogen. Ganz unterschiedliche Menschen, von denen sich viele vorher nicht kannten, haben vertrauensvoll miteinander einen Wegabschnitt bewältigt. Sie haben miteinander ein Stück ihres Lebens geteilt und sich gegenseitig bereichert. Dazu hat sicher auch das gute Wetter beigetragen, vor allem aber auch die fröhliche und offene Atmosphäre.

Die Route an diesem Tag verlief über ein Teilstück des ersten barrierefrei beschriebenen Pilgerweges in Deutschland mit dem Titel „Pilgern für alle. Barrierefrei unterwegs“. Der gesamte Pilgerweg geht über mehrere Etappen vom Kaiserdom in Worms über Speyer bis nach Lauterbourg im Elsass. Ein Mitinitiator des kleinen Büchleins, das man im Buchhandel erwerben kann, war Mitsch Schreiner – Er ist selbst Rollstuhlfahrer und war an diesem Samstag ebenfalls dabei.

Organisiert wurde der Tag von der Seelsorge für Menschen mit Behinderung zusammen mit dem DJK Sportverband.

Apostelkirche-kl

(Text und Fotos: Martin Fischer und Stefan Dreeßen)